Bordesholmer Linde: ein Nachmittag zu Bäumen mit Musik und Info

Rund 50 Personen versammelten sich am Sonntag, den 30.8.26 auf der Klosterinsel Bordesholm. Die AG Bildung hatte zu diesem Nachmittag eingeladen.

Zusammen mit dem Baumsachverständigen Hartwig Kahnt aus Grevenkrug und dem Bordesholmer Historiker Nils Clausen wurde die Bordesholmer Linde aus ökologischer und historischer Sicht betrachtet.

Der Nachmittag wurde von dem niederländischen Songwriter Stefan van de Sande umrahmt, der Lieder über Bäume und die Natur im Norden vortrug.

Die Kirchengemeinde Klosterkirche hatte uns ihr Gemeindehaus zur Verfügung gestellt, wofür wir uns herzlich bedanken. Der musikalische Teil und der abschließende Austausch bei Kaffee und Kuchen fanden wegen des wechselhaften Wetters im Gemeindehaus statt.

Für den informativen Teil versammelten sich alle um die Bordesholmer Linde. Nils Clausen berichtete, dass es historisch nicht belegt ist, wie alt die Linde wirklich ist – wahrscheinlich ist sie zwischen 450 und 750 Jahre alt. Unabhängig vom Alter hat die Linde über die Jahrhunderte für die Menschen in Bordesholm und darüber hinaus eine große emotionale Bedeutung gehabt, sei es als Gerichtsbaum, als schleswig- holsteinischer Identifikationsbaum oder als Mittelpunkt Bordesholms.

Hartwig Kahnt spannte den Bogen weiter in die 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts. Damals versuchte man im Rahmen der Baumchirurgie den Baum so lange wie möglich zu erhalten. Wie in der Humanmedizin wurde versucht, „krankes“ Gewebe zu entfernen, zu sterilisieren und mittels Wundverschlusses Wunden zu heilen. Dieses mechanistische Denken wird heutzutage durch eine ganzheitliche Sichtweise ersetzt und der Baum als sog. „Selbstoptimierer“ gesehen.Je weniger der Mensch in den Standraum der Linde eingreift und je weniger gepflegt und „saubergemacht“ wird, desto stärker sind die baumeigenen Resilienzkräfte und desto mehr Tier- und Pflanzenarten können mit ihm zusammenleben. Der verrottende Stamm ist ein wichtiger Lebensraum für Insekten und holzbewohnende Käfer wie den Juchtenkäfer.

Heute freut sich Hartwig Kahnt darüber, dass der Linde seit dem Auseinanderbrechen der Krone 2018 die Chance gegeben wird, wieder ein imposanter Baum mit einer großen Krone zu werden.
Ein wertvolles Biotop für viele Insekten und Vögel ist sie schon heute.

[14.10.26] [Ursula Barz; ed. Hussain Rasuli; Hajo Löffler]

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